Donnerstag, 20. September 2007

KUR(zurlaub)?

Vor gut zweieinhalb Wochen hat es mich in die schöne Steiermark, in das grüne Herz Österreichs (siehe links), verschlagen, wo ich insgesamt drei Wochen einem Rehabilitationsaufenthalt frönen darf. Wenn Ihr glaubt, es handle sich dabei um eine „Erholung“, habt Ihr Euch aber ordentlich getäuscht und auch mit den romantischen Kur-Vorstellungen (Kurschatten o.ä.), muss ich aufräumen, denn weder Heilung/Regeneration noch die Findung des Adonis (weil Adonis als DER Gott der Schönheit/des Körperkultes als regelrechte Antithese zu einer Kur zu verstehen ist!) darf man sich von einem solchen Kuraufenthalt erhoffen.

Die Wahrheit sieht ANDERS aus: Tagtäglich hetzt man nämlich von der morgendlichen Gymnastikstunde (wahlweise um 6:20 Uhr oder 6:40 Uhr) zum überaus (*räusperräusper*) reichhaltigen Frühstückstisch, schnappt sich dort sein/ihr vorbereitetes Marmeladenbrot und stürmt damit in die um 7:40 Uhr angesetzte Schulung. Ist man nach diesem Programm noch immer nicht erwacht, empfiehlt es sich drei Runden durch arschkaltes Kneippwasser zu waten. Der Kreislauf sollte spätestens jetzt genug in Schwung sein, um sämtliche Therapiemaßnahmen – und jetzt wird’s wirklich wirklich grauslich...uuuuaaaaaahhh – a la Fango (Heilschlamm), medizinische Heil-, CO2- und Heubäder sowie (Nacken-, Rücken- etc.)Massagen schad- und klaglos zu überstehen. Weil der Therapieplan mit all diesen widerlichen (*räusperräusper*) Terminen dermaßen vollgestopft ist, gilt es als Kunststück, all dem zeitlich gerecht zu werden und überall pünktlich zu erscheinen.

Vom phänomenal gesunden Mittagessen gestärkt spaziert sich's danach zumeist wunderbar mitten durch die herbstlich gefärbten steiermärkischen Wälder, ehe man sich zur nachmittäglichen Schulungseinheit wieder im Zentrum einfindet. Mit viel Glück bekommt man beim Bluthochdruck-Vortrag von einer jungen, sichtlich nervösen Turnusärztin jenen Freibrief ausgestellt, der einem täglich ganze acht Liter Rotwein (statt einem Achtel Liter) zu trinken gewährt! Wären all die anwesenden Kurgäste nicht derart auf ihre eigene Gesundheit bedacht (oder aufmerksamer?!?!) gewesen, hätte vielleicht jemand die junge Ärztin auf ihren Irrtum hingewiesen…

Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich nach diesen Erfahrungen wieder heil nach Wien zurückkehren werde. Nicht Regen und Besuch sind des Kurgastes Fluch, vielmehr die strapaziösen Heilmaßnahmen und die nutzbringenden Referate zur Erhaltung der Gesundheit!