Seid gegrüßt, Ihr, die Ihr lest was wir hier schreiben......falls es überhaupt jemand außer der flotten Blogger-Bagage
(PetrusFranzJasomirgott, Frechdaxxx, Génie des MontAgnes) liest:
An Tagen wie dem heutigen freue ich mich bereits um 11:56 sovieles gelernt zu haben wie manchmal nicht einmal im Laufe einer ganzen Woche. Natürlich handelt es sich dabei um den Teaser dieses Posts.
Die "Hurenkinder"
Bewegt man sich (vorallem an den Wochenenden) in den Randbezirken Wiens mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort, hat man diesen Ausdruck (sowie dessen Verwandte: "Oaschwoama", "Fud" oder "Beidloida") bestimmt schon des Öfteren vernommen. Da ich nun aber seit dem heutigen Tag, 11.36 Uhr, weiß woher der Ausdruck tatsächlich stammt, werde ich nie wieder meinen Blick betroffen zu Boden senken während mir die Schamesröte ins Gesicht steigt sobald meine Ohren solche - wie bisher vermutet - schmutzigen Ausdrücke vernehmen. Nein, ganz im Gegenteil, ich habe Hochachtung vor eben jenen Juvenilen, die es sich vormitternächtlich im halbtrunkenen Zustand lauthals schreiend neben mir auf dem Vierer-Bankerl mit den Füßen auf den Sitzen gemütlich machen, denn offenbar habe nur ich mit "Hurenkind" das Kind einer Hure verbunden. Was ich nämlich bis dato nicht wusste, war die Tatsache, dass der typographische Ausdruck: "Hurenkinder" (die politisch weniger inkorrekte Bezeichnung ist in diesem Fall „Witwe“) nichts anderes meint, als eine Zeile die ganz einsam und verlassen am Beginn einer Seite steht (ob auch den oben beschriebenen verwandten Begrifflichkeiten eine andere Bedeutung zugeschrieben werden kann, konnte ich durch meine bisherigen Recherchen allerdings noch nicht herausfinden). Das Gegenteil der "Hurenkinder" sind übrigens die "Schusterbuben".
Als Hilfe zur Unterscheidung dieser zwei typographischen Fehler dient folgender Merkspruch:
"Ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt, ein Schusterjunge nicht, wo er hingeht."
(siehe auch: http://tkb.design.fh-aachen.de/02_02_06_hurenkind.php)
Soweit zum Thema der „typographischen Allgemeinbildung“. Weder das "Hurenkind" noch der "Schusterjunge" sind übrigens in diesem Zusammenhang erwünscht (das ü ist ein sogenannter „Zwiebelfisch“ – wenn sich also ein Buchstabe in einer anderen Schrift hineinschummelt).
An dieser Stelle möchte ich auch noch die "Rotznase" erwähnen (ein Druckfehler im Tiefdruckverfahren); durch Schmutzablagerungen wie Papierstaub, Pigmentverkrustungen etc. (Rotz) unter dem Rakelmesser, zieht die Druckfarbe nasenförmig aus und druckt auf den Bedruckstoff.
Den "Blindfisch": ein falsch abgelegter Letter der unbesehen aus dem Fach eines Setzkastens entnommen wird.
Die "Hochzeit": ein doppelt gesetztes Wort oder ein doppelt gesetzter Satzteil.
Die "Leiche": das Gegenteil der "Hochzeit" - es fehlen Wörter.
Den "Fliegenkopf": das Abbild einer auf dem Kopf stehenden Type, also im Satzbild ein Fleck anstelle eines Buchstaben.
Das "Satzschiff": ein schweres Blech, auf dem man Bleisatz-Kolumnen transportiert und aufbewahrt, es dient auch als Arbeitsunterlage.
Und dann wären da noch...
"Versalien" - das sind Großbuchstaben, "Gemeine" sind Kleinbuchstaben. Der "Flattersatz" - eine Satzform ohne Worttrennungen, in der die Zeilenlänge dem Zufall, dem Sinn oder dem typografischen Entwurf untergeordnet wird. Im "glatten Satz" (heute Blocksatz genannt) werden nach dem Setzen einer Zeile die Wortabstände geändert, um eine bestimmte Länge der Zeile zu erreichen. "Quadraten", "Stege", "Ausschluß" werden nicht-druckende Teile genannt, ohne welche die Lettern keinen Halt hätten. "Spieße" sind Teile, die während des Druckes durch die Erschütterungen der Druckmaschine aufsteigen auf Schrifthöhe und dann mitdrucken... und sollte ich die Einzige sein, der diese Informationen neu waren, dann ersuche ich um Entschuldigung und wünsche noch einen schönen Tag!
(Weitere Details auch unter http://www.blog.druckerey.de/?s=tag&t=adsh)
2 Kommentare:
beidl-oida.oaschfud. das haben wir doch auch lauthals gerufen...zwar net am vierer bankerl in der u-bahn aber ich glaub in wiesen konnte ich solche ausdrücke aus meinem mund schleichen sehen...dort ist aber wohlgemerkt im getöse der betrunkenen halbwüchsigen untergegangen :) ha! waren das schlimme zeiten...
*fut tut gut :o*
bb
"wos du ollas waaast!"
Nää, wos du ollas obgeschroim konnst:
http://www.blog.druckerey.de/?s=tag&t=adsh
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